IAP - TU Dresden GmbH
Institutsambulanz und Tagesklinik für Psychotherapie der TU Dresden

Informationen für Fachleute

Klinische Kriterien pathologisches Glücksspielen

Die internationalen Klassifikationssysteme für Erkrankungen DSMIV (312.31) und ICD10 (F 63.0) ordnen pathologisches Glücksspielen den Impulskontrollstörungen mit folgenden Merkmalen zu: Andauerndes und wiederkehrendes fehlangepasstes Spielverhalten, das sich in zumindest fünf der folgenden klinischen Kriterien ausdrückt:

  1. Starke Eingenommenheit vom Glücksspielen
  2. Steigerung der Einsätze zur Erreichung der gewünschten Erregung
  3. Wiederholt erfolglose Versuche, das Spielen einzuschränken oder zu beenden
  4. Unruhe und Gereiztheit beim Versuch das Spielen einzuschränken
  5. Spielen als Flucht vor Problemen oder depressiver Stimmung
  6. Rasche Wiederaufnahme des Spielens nach Geldverlust
  7. Lügen, um das Ausmaß der Problematik zu vertuschen
  8. Illegale Handlungen zur Finanzierung des Spielens
  9. Gefährdung oder Verlust wichtiger Beziehungen, des Arbeitsplatzes oder von Zukunftschancen
  10. Hoffnung auf Bereitstellung von Geld durch Dritte

Im kürzlich veröffentlichten DSM-5 (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen, fünfte Auflage) wurde pathologisches Glücksspielen von den 'Störungen der Impulskontrolla, nicht andernorts klassifiziert', unter dem neuen Begriff 'Störungen durch Glücksspielen' in die Gruppe der 'Störungen im Zusammenhang mit psychotropen Substanzen und abhängigen Verhaltensweisen' aufgenommen (American Psychiatric Association, 2013).

Als eine schwächere Ausprägung häufig der Begriff 'problematisches Glücksspielen' verwendet, der aber nicht in den Klassifikationssystemen eingeführt ist und deshalb sehr unterschiedlich definiert wird. Deshalb sind Studienergebnisse, die diese Begriffe verwenden kaum vergleichbar. Es wird vorgeschlagen den eher neutralen Begriff 'riskantes Glücksspielen' zu verwenden.


Verbreitung

Für Deutschland liegen derzeit sieben bevölkerungsbezogene Studien vor. Zwischen 99.000 - 291.000 Menschen sind demnach pathologische Glücksspieler, das entspricht etwa 0,2–0,6 % der erwachsenen Bevölkerung. Weitere 103.000 - 333.000 Menschen werden als Personen mit einem problematischen Spielverhalten eingestuft (ohne dass dafür einheitliche Kriterien vorliegen), das entspricht ebenfalls etwa 0,2 - 0,6 % der erwachsenen Bevölkerung (Quellen). 


Charakteristika unterschiedlichen Glücksspielverhaltens

1) Soziales Glücksspielen (risikoarmes Glücksspielen)

  • Finanzielle Verluste sind begrenzt
  • Spielverhalten ist eher risikoarm
  • Glücksspielen ist auf Freizeit beschränkt
  • Spiel bereitet Freude, soziale Kontakte spielen eine Rolle

2) Problematisches Glücksspielen (riskantes Glücksspielen)

  • Spielfrequenz nimmt zu
  • Wahl risikoreicher Spielvarianten
  • Steigerung der Einsätze um 'Nervenkitzel' zu erhalten
  • Zunehmende Verleugnungs- und Bagatellisierungstendenz bezüglich des eigenen Spielverhaltens
  • Verluste übersteigen Gewinne
  • 'Aufholjagden', um erlittene Verluste auszugleichen (--> beginnende Verschuldung)
  • Reduzierte Kontrolle über Spielverhalten
  • Vernachlässigung sozialer Kontakte, Partnerschaftsprobleme

3) Pathologisches Glücksspielen

  • Kontrollverlust (kein Einschränken oder Aufgeben des Spielverhaltens möglich)
  • Exzessives Spielen bis zum völligen Geldverlust
  • Zunehmende Verschuldung führt zu vielfältigen (auch illegalen) Methoden der Geldbeschaffung
  • Persönlichkeitsveränderungen: Reizbarkeit, Selbstverachtung, Stimmungsschwankungen
  • Sozialer Abstieg: familiäre Zerrüttung, Verschuldung, Arbeitsplatzverlust

(modifiziert nach Müller-Spahn & Margraf, 2003; Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern, 2013)